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Es werden Posts vom Mai, 2022 angezeigt.

Frei und geliebt

Dieser Blog begann einmal mit einer Hoffnung. Mit einer klaren Vision für meine Kinder: dass sie frei sein dürfen – frei in ihren Gefühlen, ihren Wünschen und Bedürfnissen. Dass sie gesehen werden, ernst genommen, respektiert. Und vor allem: dass sie sich bedingungslos geliebt fühlen.

Als ich diese Seite ins Leben rief, hätte ich mir niemals vorstellen können, diese Zeilen eines Tages aus einem Gefängnis heraus zu schreiben. Ein Ort, der kaum weiter von dem entfernt sein könnte, wofür dieser Blog steht. Dass es möglich ist, eine Mutter ins Gefängnis zu bringen, lediglich weil sie den ausdrücklichen Willen des Kindes nicht brechen wollte, hätte ich nie für möglich gehalten. Und doch bin ich genau hier gelandet.

Auch meine Kinder leben inzwischen in Verhältnissen, die mit Freiheit wenig zu tun haben. Julia* in einem Kinderheim, fern von dem Leben, das sie sich wünscht. Charlie*, die sich seit Jahren nicht mehr frei und unbefangen äußern kann.

Seit ich hier bin, begleiten mich diese Themen Tag für Tag. Manches, was ich erlebe, sind kleine Alltagsgeschichten aus dem Gefängnis, manchmal nur ein flüchtiger Gedanke. Einiges ist leicht und beinahe zum Schmunzeln, anderes macht eher nachdenklich. Ich habe nun Zeit – mehr Zeit, als mir lieb ist – und möchte euch mitnehmen. In meine Gedanken. In meine Erlebnisse. Und in eine Geschichte, die komplizierter ist, als sie auf den ersten Blick erscheint…

*Namen geändert

Eure Anette 12.01.2026

Heimunterbringung pauschal besser als Mama?

Vor mehr als drei Monaten wurde unser neues Gutachten am Amtsgericht in Auftrag gegeben. Unser Sorgerechtsverfahren sollte neu aufgerollt werden. Endlich schien es einen Schritt vorwärts zu gehen und ich eine neue Chance zu bekommen. Endlich entwickelte Julia* ein minimales bisschen Sicherheit dauerhaft bei mir bleiben zu dürfen. Endlich schien es auch wieder Hoffnung auf Kontakt zu Charlotte* zu geben. Meine Hoffnungen wurden nun jäh wieder zerschlagen! Der Vater hatte, unmittelbar nachdem das Verfahren am Amtsgericht neu aufgerollt werden sollte, einen Befangenheitsantrag gegen die Richterin eingereicht. Das heißt, er war der Meinung, dass die Richterin sich nicht neutral verhalten habe, sondern den Eindruck erweckt haben soll, parteiisch zu sein. Eine einzige Entscheidung zu meinen Gunsten (und vor allen Dingen im Einklang mit den geäußerten Wünschen seiner Töchter) hatte gereicht, dass er einen knapp 40-seitigen Befangenheitsantrag einreichte.  Das Amtsgericht hielt den Befange...

Zum Muttertag

„Ein Kind ohne Mutter ist wie eine Blume ohne Regen.“  (Indisches Sprichwort)  Nachdem ich die letzten vier Muttertage ohne meine Kinder verbringen musste, ist meine große Tochter heute seit Jahren das erste Mal am Muttertag wieder bei mir und hat mir dieses tolle Kunstwerk geschenkt. Es ist immer noch wie ein Wunder, dass sie nun schon seit fast elf Monaten bei mir ist! Vollkommen und unbeschwert fühlt es sich dennoch nicht an, denn meine kleine Tochter habe ich nun ebenfalls schon seit elf Monaten nicht gesehen. Sie fehlt unendlich! Ich wünsche heute insbesondere den Mamas, die diesen Tag nicht mit ihren Kindern verbringen können, von Herzen viel Kraft, Liebe und den Glauben an sich selbst und ihre Mutterschaft. Ihr ward stark genug euren Kindern das Leben zu schenken und ihr seid ebenfalls stark genug ihnen all eure Liebe zu schenken - egal unter welchen Umständen und wie!