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Endlich frei!

Seit Freitag bin ich wieder frei! Ein unbeschreibliches und befreiendes Gefühl. Ich habe die ersten zwei Nächte in meinem eigenen Bett wie auf Wolken geschlafen - kein Vergleich zu der harten Gefängnismatratze und dem kleinen, flachen Kissen dort. Ich habe meinen ersten Latte Macchiato in Freiheit genossen, mein erstes Stück Kuchen, konnte die ersten Sonmenstrahlen auf der Haut spüren. Alles fühlt sich intensiv an, das Wetter, die vielen Reize für mein Gehirn, die viele Aktivität für meinen Körper. Die unbeschreibliche Freude beim Wiedersehen meiner Liebsten. Wir konnten uns treffen wann, wo und so lange wir wollten. Keine Begrenzung auf eine Stunde Besuchszeit ohne Verzehr von Kuchen oder einem gemeinsamen Mittagessen. Ganz besonders schön war es für mich, die kleinen Aufmerksamkeiten, die ich zur Entlassung, aber vor allem auch während der Haft von euch bekommen habe, anzusehen. Vieles davon habe ich gestern Abend zum ersten Mal in Ruhe anschauen können. Außer Briefen wurde während m...

Was macht der Mangel an bedingungsloser Liebe mit uns?

Eine Frage lässt mich nicht mehr los: Was passiert mit einem Menschen, wenn ihm die bedingungslose Liebe fehlt? Ein Gespräch in der Freistunde auf dem Hof hat mich tief getroffen und lange nachwirken lassen.Ich habe mit einer anderen Gefangenen gesprochen. Sie erzählte mir, dass sie bald freikommen könnte, wenn sie noch etwa 1.000 € Geldstrafe abbezahlen würde.     Abbildung: KI-Illustration Sie hatte ihren Vater gebeten, ihr dieses Geld zu geben. Der Vater sei gut situiert, fahre einen Porsche. Sie schilderte mir ihre große Enttäuschung, denn ihr Vater habe es abgelehnt, ihr zu helfen. Sie war verletzt, fühlte sich ungeliebt. Ich kann ihre Gefühle gut verstehen und nachempfinden. Ich selbst erlebe es hier im Gefängnis im Umgekehrten – Tag für Tag. Ich spüre, wie stärkend und heilsam es ist, zu merken, dass einen da draußen so viele Menschen unterstützen (dafür einmal wieder tausend Dank an alle Unterstützer!). So kann ich mir vorstellen, wie schwächend es sich anfühlen muss, ...

Was draußen selbstverständlich ist

Gestern habe ich meine leckerste Mahlzeit seit Monaten gegessen! Ich weiß, dass es schwer ist, für so viele Menschen und mit knappen Mitteln adäquate Mahlzeiten zuzubereiten, und grundsätzlich ist das Essen auch genießbar. Auch auf Vegetarier und religiöse Kost wird Rücksicht genommen. Mehr frische Zutaten, mehr Vitamine und weniger Zusatzstoffe würden allerdings sicherlich einen Beitrag zu mehr körperlicher und psychischer Gesundheit im Gefängnis leisten.   Abbildung: KI-Illustration Die Mahlzeiten werden von Gefangenen gekocht, die in der Küche arbeiten. Vieles sind Tiefkühlprodukte. Meist ist das Essen sparsam gewürzt oder mit Wasser gestreckt. Nach fünf Monaten kennt man den Speiseplan ziemlich genau. Montags gibt es meistens Milchreis oder eine andere Süßspeise, mittwochs Suppe oder Eintopf. Für Frühstück und Abendessen bekommen wir ausschließlich abgepacktes Brot. Wie kam es aber nun zu meiner gestrigen unerwarteten Mahlzeit? Eine andere Gefangene hatte Besuch bekommen. Die B...

Halb-Strafe

Ein Freudenschrei durchdrang Anfang der Woche unsere Wohngruppe. Zwei Gefangene auf unserer Station warten seit Wochen auf ihren Beschluss zur Verkürzung der Haftstrafe. Am Montag kam die eine, nennen wir sie Hannah, jubelnd auf den Flur. Diese Woche wäre der vorzeitige Entlassungstermin bei beiden Gefangenen, aber eine endgültige Rückmeldung, ob eine Verkürzung der Haftstrafe genehmigt wird, erhält man häufig erst sehr kurzfristig.   Abbildung: KI-Illustration Die Sozialarbeiterin verglich es mit einem errechneten Geburtstermin und der eigentlichen Geburt, die zumeist auch nicht am selben Tag erfolgt. Auf diesen Termin wird die Entlassung ungefähr fallen, kann aber auch ein paar Tage früher oder später erfolgen. Auch der Beschluss hierzu kommt um diesen Termin herum. Der Unterschied zur Geburt: Bis zur endgültigen Entscheidung weiß man als Gefangene nicht mit Sicherheit, dass man auch wirklich vorzeitig entlassen wird. Bei der Strafhaft gibt es für jeden Gefangenen unter bestim...

Schlaflose Nächte

Ich sitze nun im Bett und es ist halb sechs Uhr morgens. Seit ca. 1,5 Stunden bin ich wach. Der Konflikt zwischen dem, was von Julia verlangt wird, und dem, was ihren tatsächlichen Bedürfnissen entspricht, ist zermürbend und sowohl für sie als auch für mich sowie ihr weiteres Umfeld kaum auszuhalten. Abbildung: KI-Illustration Sie durfte am vergangenen Wochenende tatsächlich nach Frankfurt fahren und an einem sportlichen Wettkampf teilnehmen. Sie war überglücklich. Sie hat ihre Freundinnen und Vereinskollegen wiedergesehen. Sie durfte in ihrer Wunschpflegefamilie übernachten. Sie wurde drei Tage lang verwöhnt, hat Liebe, Nähe und Geborgenheit erfahren und so etwas wie einen normalen Familienalltag erlebt. Spontan wurde im Verein noch Geld für sie gesammelt, damit sie mit allem an Kleidung ausgestattet werden konnte, was in den letzten Monaten zu kurz kam. Das Glück war für mich auch über die Ferne deutlich spürbar. Gleichzeitig hatte sie bereits am Freitag eine unfassbare Traurigkeit i...

Mein Alltag im Gefängnis

Als ich in Hildesheim ankam, hat es eine ganze Weile gedauert, bis ich mich an den „Alltag“ im Gefängnis gewöhnt hatte. Es gibt hier kein Handout oder ähnliches und so hat man in den ersten Tagen ständig das Gefühl irgendwelchen Situationen ausgeliefert zu sein. Immer wieder musste ich JETZT irgendwohin mitkommen, während andersherum meine Bedürfnisse oft über Tage und Wochen unerfüllt blieben.  Ein typischer Tag läuft hier so ab, dass wir um 7.15 geweckt und unsere Zellen aufgeschlossen werden. Dann kann man bis 8 Uhr morgens die Post im Stationsbüro abgeben. Später ist es nicht mehr möglich, auch nicht für den Folgetag. Es steht nur dieses Zeitfenster zur Verfügung.  Abbildung: KI-Illustration Dann gehe ich gerne eine Runde auf dem Crosstrainer laufen. Das war mir jedoch erst nach Wochen möglich, da zunächst ein Antrag für die Einweisung für die Fitnessgeräte gestellt werden musste. Dieser Antrag wurde in meinem Fall erst nach ca. 4 Wochen bearbeitet. Einen weiteren Antrag m...

Menschen, denen man hier begegnet

Vor ein paar Tagen ist Bettina* entlassen worden, und ich war tatsächlich ein wenig traurig darüber – auch wenn ich mich natürlich sehr für sie freue. Als ich hier ankam, war ich fest davon überzeugt, dass ein Gefängnis kein Ort ist, an dem man Freundschaften schließt. Entsprechend habe ich mich in den ersten Tagen eher zurückgehalten und hatte mit den anderen nur wenig zu tun. Meine allerersten Tage verbrachte ich in Frankfurt in der U-Haft. Dort kam noch hinzu, dass es sehr international zuging und sich die verschiedenen Nationalitäten meist untereinander hielten. Trotzdem gab es dort eine Vietnamesin, mit der ich gelegentlich ins Gespräch kam. Wir nutzten die Gelegenheit, um ein wenig Englisch zu sprechen, und stellten fest, dass wir einige Gemeinsamkeiten hatten – etwa das Nichtrauchen, die Erfahrung als Mütter und einen akademischen Hintergrund. Doch schon nach wenigen Tagen wurde ich nach Hildesheim verlegt, und damit endete auch dieser kurze Kontakt. Abbildung: KI-Illustration I...