Ich sitze nun im Bett und es ist halb sechs Uhr morgens. Seit ca. 1,5 Stunden bin ich wach. Der Konflikt zwischen dem, was von Julia verlangt wird, und dem, was ihren tatsächlichen Bedürfnissen entspricht, ist zermürbend und sowohl für sie als auch für mich sowie ihr weiteres Umfeld kaum auszuhalten.
Abbildung: KI-Illustration
Sie durfte am vergangenen Wochenende tatsächlich nach Frankfurt fahren und an einem sportlichen Wettkampf teilnehmen. Sie war überglücklich. Sie hat ihre Freundinnen und Vereinskollegen wiedergesehen. Sie durfte in ihrer Wunschpflegefamilie übernachten. Sie wurde drei Tage lang verwöhnt, hat Liebe, Nähe und Geborgenheit erfahren und so etwas wie einen normalen Familienalltag erlebt.
Spontan wurde im Verein noch Geld für sie gesammelt, damit sie mit allem an Kleidung ausgestattet werden konnte, was in den letzten Monaten zu kurz kam. Das Glück war für mich auch über die Ferne deutlich spürbar. Gleichzeitig hatte sie bereits am Freitag eine unfassbare Traurigkeit in sich, weil das Ende des Wochenendes schon bevorstand.
Als sowohl sie als auch ihre Pflegemama mir davon berichteten, fühlte ich mich zurückversetzt in die Umgangswochenenden mit meinen Töchtern. Auch dort war es so: Die Wochenenden waren wunderschön und zugleich so schmerzhaft.
Am Montag kam der Tag des Abschieds. Ihre Anwältin versuchte noch zu verhandeln, dass sie länger bleiben dürfte, aber es half nichts, und sie musste zurück nach Hannover. Wieder ohne Gewissheit, wann sie zurückdarf oder wie lange es beim nächsten Mal sein wird.
Es zerreißt ihr, mir und allen direkt Beteiligten das Herz. Wie lange kann und muss sie das noch mitmachen?
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