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Es werden Posts vom Dezember, 2022 angezeigt.

Frei und geliebt

Dieser Blog begann einmal mit einer Hoffnung. Mit einer klaren Vision für meine Kinder: dass sie frei sein dürfen – frei in ihren Gefühlen, ihren Wünschen und Bedürfnissen. Dass sie gesehen werden, ernst genommen, respektiert. Und vor allem: dass sie sich bedingungslos geliebt fühlen.

Als ich diese Seite ins Leben rief, hätte ich mir niemals vorstellen können, diese Zeilen eines Tages aus einem Gefängnis heraus zu schreiben. Ein Ort, der kaum weiter von dem entfernt sein könnte, wofür dieser Blog steht. Dass es möglich ist, eine Mutter ins Gefängnis zu bringen, lediglich weil sie den ausdrücklichen Willen des Kindes nicht brechen wollte, hätte ich nie für möglich gehalten. Und doch bin ich genau hier gelandet.

Auch meine Kinder leben inzwischen in Verhältnissen, die mit Freiheit wenig zu tun haben. Julia* in einem Kinderheim, fern von dem Leben, das sie sich wünscht. Charlie*, die sich seit Jahren nicht mehr frei und unbefangen äußern kann.

Seit ich hier bin, begleiten mich diese Themen Tag für Tag. Manches, was ich erlebe, sind kleine Alltagsgeschichten aus dem Gefängnis, manchmal nur ein flüchtiger Gedanke. Einiges ist leicht und beinahe zum Schmunzeln, anderes macht eher nachdenklich. Ich habe nun Zeit – mehr Zeit, als mir lieb ist – und möchte euch mitnehmen. In meine Gedanken. In meine Erlebnisse. Und in eine Geschichte, die komplizierter ist, als sie auf den ersten Blick erscheint…

*Namen geändert

Eure Anette 12.01.2026

Weihnachtszeit - heilige Zeit

 Das Fest der Liebe Wunderschön, wenn man es mit seinen Liebsten verbringen darf.  Unendlich traurig, wenn man seine Liebsten nicht sehen darf. Julia* feiert nun das zweite Jahr in Folge wieder ihrem Wunsch entsprechend Weihnachten mit mir. Aber Charlotte* fehlt nach wie vor. Julia und ich können sie nach wie vor nicht sehen, nicht mit ihr sprechen, wissen nicht einmal, ob sie unsere Geschenke und Briefe erhält. Nach wie vor wird sie von uns ferngehalten, mir weiter mit einem Näherungsverbot gedroht. Es ist nicht nur so, dass Charlotte entgegen ihrem Wunsch nicht bei uns leben darf. Nein, sie darf auch nicht einmal ansatzweise Kontakt zu uns haben. Was teilweise Straftätern im Gefängnis zugestanden wird, wird mir und auch Julia verwehrt: Kontakt - in welcher Form auch immer - mit seinem eigenen Kind bzw. seiner eigenen Schwester zu haben. Wie kann das sein?  Meine zuständigen Richter am Oberlandesgericht haben mir wider besseren Wissens unterstellt, ich hätte Julia entfüh...