Direkt zum Hauptbereich

Ordnungshaft

Am 06.11.2025 wurde ich inhaftiert. Jetzt sitze ich Ordnungshaft und ich merke, wie seltsam es ist, diesen Satz überhaupt aufzuschreiben. Wenn ich ehrlich bin, hätte ich nie gedacht, dass mein Leben irgendwann so aussehen würde, und wie sich Haft tatsächlich anfühlt, hat meine Vorstellungskraft überschritten – vielleicht auch deshalb, weil ich mir darüber früher nie Gedanken gemacht habe, denn weder ich noch jemand aus meinem Umfeld ist jemals mit dem Gesetz in Konflikt geraten.



Abbildung: KI-Illustration

Ich bin keine Person, die sich für besonders mutig hält oder für besonders rebellisch – ich bin einfach eine Mutter, die irgendwann in etwas hineingeraten ist, das größer wurde als alles, was ich vorher kannte.

Hier drin ist die Welt klein. Man kann nicht ausweichen, man kann nicht mal eben rausgehen, um den Kopf frei zu bekommen, und man kann auch nicht so tun, als würde es gerade nicht passieren. Ich habe viel Zeit zum Nachdenken, aber es ist nicht dieses romantische „Zeit für sich“, sondern eher ein stilles Aushalten. Und das Schwerste daran ist nicht die Langeweile, sondern diese Ungewissheit. Nicht die Ungewissheit in Bezug auf meine Haft, denn die hat ein Enddatum. Das kann ich irgendwie aushalten. Die Ungewissheit in Bezug auf die Zukunft für meine Töchter und mich ist das, was eigentlich viel schwerer zu ertragen ist.

Ich frage mich, wie mein Leben danach aussieht, wie das Leben meiner Töchter aussieht, was von meinem Alltag übrig bleibt, was ich wieder aufbauen kann und was vielleicht einfach für immer weg ist. Ich denke daran, wie meine Töchter gerade leben, wie ihre Tage aussehen, ob sie gut schlafen, ob sie lachen, ob sie sich sicher fühlen.

Ich möchte irgendwann wieder in ein Leben zurückfinden, in dem meine Töchter nicht in einem Konflikt zwischen Erwachsenen stehen, sondern einfach Kinder sein dürfen und ihre Wünsche und Bedürfnisse ernst genommen werden.

In den nächsten Tagen und Wochen, werde ich euch an meinem „neuen Alltag“ versuchen teilhaben zu lassen. Vor allem, wie es zu der Inhaftierung kam und wie ich diese ersten Tage in Haft erlebt habe, ist vermutlich mehr als ein Blogbeitrag wert.




Kommentare

Beliebte Posts aus diesem Blog

Näherungsverbot für mich gegenüber meiner 7-jährigen Tochter?

Weihnachtspost vom Gericht In 2021 habe ich den Umgangsausschluss für Charlotte* pünktlich zu Heiligabend im Briefkasten gehabt, in 2020 war es der Sorgerechtsentzug. Auch in 2022 Jahr habe ich fest mit Weihnachtspost vom Gericht gerechnet - den Briefkasten habe ich diesmal bewusst erst nach Weihnachten wieder geöffnet... Nun also die Weihnachtspost vom Gericht: am 26.01.2023 wird darüber verhandelt, ob ich ein Näherungsverbot zu meiner 7-jährigen Tochter, die ich seit mehr als 1,5 Jahren nicht sehen durfte, erhalten soll.  Seit über einem Jahr wird mir dieses Näherungsverbots angedroht, weil Charlottes Vater dies wünscht. Grund dafür soll der 7. Geburtstag von Charlotte vor über zehn Monaten sein. Ich habe an diesem Tag ein kleines Geschenk und zwei Briefe von Julia* und mir in den Hort gebracht mit der Bitte um Weitergabe an Charlotte, die mehrfach unfreiwillig und gewaltsam von mir getrennt wurde und seitdem keinen Kontakt zu mir haben darf.  Beim Verlassen des Horts kam ge...

Geburtstag von Charlotte

Heute ist der 11. Geburtstag von Charlotte*. Ich verbringe ihn im Gefängnis. Sie verbringt ihn schon das fünfte Jahr ohne mich – fast ihr halbes Leben! Die letzten Jahre habe ich mit Julia* immer einen Kuchen für sie gebacken. Gemeinsam mit Charlotte* essen konnten wir ihn nicht. Wir haben auch ihr Lieblingsessen für sie gekocht – und es ohne sie essen müssen. Abbildung: KI-Illustration In diesem Jahr konnte ich meine Geschenke für sie nicht mal mehr selbst besorgen, denn ich sitze im Gefängnis. Andere liebe Menschen haben es für mich getan. Ich muss darauf vertrauen, dass sie sie gut ausgewählt haben. Selbst einpacken darf ich ihre Geschenke schon lange nicht mehr! Das macht stets das Jugendamt für mich. Eine Karte habe ich ihr selbst geschrieben und ein Herz habe ich ihr selbst gehäkelt. Viel ist von meinem Muttersein nicht mehr geblieben. Wann ich sie an ihrem Geburtstag mal wieder in den Arm nehmen darf? Ungewiss! Für ihren nächsten Geburtstag wünsche ich mir von ganzem Herzen, d...

Fassungslosigkeit

  Was ist los in unserem Rechtsstaat? Ein fünf Wochen altes Neugeborenes, was aus den Armen seiner nachweislich gesunden und stillenden Mama gerissen wird um dann zuerst völlig fremden Pflegepersonen, dann dem unter Pädophilieverdacht stehenden Vater zugeführt zu werden. Das ist in der Nacht von Donnerstag auf Freitag hier mitten in Deutschland mithilfe von einem ganzen Aufgebot an Polizisten geschehen. Ich habe Mutter und Kind persönlich kennen lernen dürfen und ein vollgestilltes Neugeborenes erlebt, was stets liebevoll von seiner Mama umsorgt wurde. Was ist los in unserem Rechtsstaat? Was ist eine Mutter heute noch wert? Wie wird die Bindung zwischen Mutter und Kind hier mit Füßen getreten? Ist es das, was wir für unsere Kinder wollen? Warum fügt man einem Neugeborenen, was bisher beinah ununterbrochen an der Brust seiner Mutter war, hier alle Geborgenheit und Fürsorge bekommen hat, die es brauchte, solch ein Trauma wissentlich zu? Warum fügt man Mutter und Kind solch ein Trauma...