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Posts

Weihnachten

Weihnachten im Gefängnis... Dies sollte mein erstes Weihnachtsfest ganz ohne meine Kinder werden. Auf ein Weihnachten mit Charlie* musste ich schon zum fünften Mal verzichten. Noch bis zum letzten Tag hatte ich auf die Beendigung der Ordnungshaft gehofft, jedoch leider vergeblich. Nachdem der erste Adventsgottesdienst ziemlich chaotisch ablief, wurde der Heiligabend selbst tatsächlich unerwartet friedlich. Zunächst kurzer Rückblick zum ersten Adventsgottesdienst. Dieser war beinahe Comedyreif, hat aber letztlich meine Laune ziemlich heruntergezogen. Der Gottesdienst sollte in der „Kirche“ stattfinden, in welchem neben einem kleinen Altar und Piano auch mehrere Fitnessgeräte und sonstige Gegenstände untergebracht waren. Eigentlich erinnerte er mehr an einen Abstellraum als an eine Kirche. Dies allein war schon ziemlich trostlos für mein Empfinden. Die Pastorin sollte den Gottesdienst ausrichten. Sie kam zu spät, entschuldigte sich, startete dann den Gottesdienst mit CD-Musik. Die Musi...

Weihnachtsbäckerei im Vollzug

Am vierten Advent stand etwas auf dem Plan, das hier Seltenheitswert hat: Kekse backen. Endlich einmal etwas zu tun. Das Programm im Gefängnis ist überschaubar, um es freundlich auszudrücken, und so war die Vorfreude groß. Etwa zwölf Frauen durften teilnehmen, in dem etwas spartanisch, weihnachtlich geschmückten Gemeinschaftsraum. Abbildung: KI-Illustration Eleonora*, eine ältere Insassin, die jeden Tag dieselben Klamotten trug und immer dieselbe alte Wolldecke um sich gewickelt hatte, war nicht dabei. Offiziell, weil die Platzanzahl begrenzt war. Gemunkelt wurde aber, ob sie vielleicht doch wegen mangelnder Hygiene ausgeschlossen wurde. Auch wenn ich die bedenken der anderen als Berechtigt empfand, tat sie mir aber trotzdem irgendwie leid, wollte sie doch einfach auch nur ein paar Weihnachtskekse backen. Auf jeden Fall war ihre Laune entsprechend – spürbar gereizt und deutlich stinkig. Die Beamtin, die das Backen betreute, hatte sich sichtlich Mühe gegeben. Sie kam mit einer großen Ki...

Ordnungshaft

Am 06.11.2025 wurde ich inhaftiert. Jetzt sitze ich Ordnungshaft und ich merke, wie seltsam es ist, diesen Satz überhaupt aufzuschreiben. Wenn ich ehrlich bin, hätte ich nie gedacht, dass mein Leben irgendwann so aussehen würde, und wie sich Haft tatsächlich anfühlt, hat meine Vorstellungskraft überschritten – vielleicht auch deshalb, weil ich mir darüber früher nie Gedanken gemacht habe, denn weder ich noch jemand aus meinem Umfeld ist jemals mit dem Gesetz in Konflikt geraten. Abbildung: KI-Illustration Ich bin keine Person, die sich für besonders mutig hält oder für besonders rebellisch – ich bin einfach eine Mutter, die irgendwann in etwas hineingeraten ist, das größer wurde als alles, was ich vorher kannte. Hier drin ist die Welt klein. Man kann nicht ausweichen, man kann nicht mal eben rausgehen, um den Kopf frei zu bekommen, und man kann auch nicht so tun, als würde es gerade nicht passieren. Ich habe viel Zeit zum Nachdenken, aber es ist nicht dieses romantische „Zeit für sich“...

Gerichtstermin und Demo

 Sehr erfolgreich an unserem Gerichtstermin war der Support, den ich durch Freunde, Verwandte, Interessierte, Betroffene und Engagierte erhalten habe und was wir damit im Hinblick auf institutionelle Gewalt an Frauen und Kindern ausdrücken konnten. Ihr habt eine Demo durch die ganze City von Hannover gemacht, ihr ward am Landtag und habt euch Gehör bei den Abgeordneten verschafft. Und ihr werdet im Fernsehen zu sehen sein mit dem was wir zu sagen haben und was wir verändern wollen: Dass die institutionelle Gewalt am Familiengericht gegen Frauen und Kinder beendet und die Istanbul Konvention  zum Schutz von Frauen und Kindern vor Gewalt auch bei Sorge- und Umgangsverfahren endlich konsequent umgesetzt werden muss . Unser Gerichtstermin selbst zeigte deutlich wieder das, was wir Frauen unter institutioneller Gewalt verstehen: über anderthalb Stunden wurde ausschließlich mein Verhalten bewertet, der Vater komplett in Ruhe gelassen , der Bindung zwischen Mutter und Kind wurde wei...

Näherungsverbot für mich gegenüber meiner 7-jährigen Tochter?

Weihnachtspost vom Gericht In 2021 habe ich den Umgangsausschluss für Charlotte* pünktlich zu Heiligabend im Briefkasten gehabt, in 2020 war es der Sorgerechtsentzug. Auch in 2022 Jahr habe ich fest mit Weihnachtspost vom Gericht gerechnet - den Briefkasten habe ich diesmal bewusst erst nach Weihnachten wieder geöffnet... Nun also die Weihnachtspost vom Gericht: am 26.01.2023 wird darüber verhandelt, ob ich ein Näherungsverbot zu meiner 7-jährigen Tochter, die ich seit mehr als 1,5 Jahren nicht sehen durfte, erhalten soll.  Seit über einem Jahr wird mir dieses Näherungsverbots angedroht, weil Charlottes Vater dies wünscht. Grund dafür soll der 7. Geburtstag von Charlotte vor über zehn Monaten sein. Ich habe an diesem Tag ein kleines Geschenk und zwei Briefe von Julia* und mir in den Hort gebracht mit der Bitte um Weitergabe an Charlotte, die mehrfach unfreiwillig und gewaltsam von mir getrennt wurde und seitdem keinen Kontakt zu mir haben darf.  Beim Verlassen des Horts kam ge...

Weihnachtszeit - heilige Zeit

 Das Fest der Liebe Wunderschön, wenn man es mit seinen Liebsten verbringen darf.  Unendlich traurig, wenn man seine Liebsten nicht sehen darf. Julia* feiert nun das zweite Jahr in Folge wieder ihrem Wunsch entsprechend Weihnachten mit mir. Aber Charlotte* fehlt nach wie vor. Julia und ich können sie nach wie vor nicht sehen, nicht mit ihr sprechen, wissen nicht einmal, ob sie unsere Geschenke und Briefe erhält. Nach wie vor wird sie von uns ferngehalten, mir weiter mit einem Näherungsverbot gedroht. Es ist nicht nur so, dass Charlotte entgegen ihrem Wunsch nicht bei uns leben darf. Nein, sie darf auch nicht einmal ansatzweise Kontakt zu uns haben. Was teilweise Straftätern im Gefängnis zugestanden wird, wird mir und auch Julia verwehrt: Kontakt - in welcher Form auch immer - mit seinem eigenen Kind bzw. seiner eigenen Schwester zu haben. Wie kann das sein?  Meine zuständigen Richter am Oberlandesgericht haben mir wider besseren Wissens unterstellt, ich hätte Julia entfüh...

White Lily Rev 2022

Zum Internationalen Tag gegen Gewalt an Frauen setzen wir ein Zeichen. Ein Zeichen gegen die Gewalt, die Frauen und Kinder im Zusammenhang mit dem Familiengericht erleben. Wir waren am 24.11.2022 am Amtsgericht Hannover und am niedersächsischen Justizministerium und haben zur dritten #whitelilyrev eine Videoprojektion abgespielt um auf die Problematik aufmerksam zu machen. Angelehnt an die Roses Revolution, die vor 10 Jahren ins Leben gerufen wurde um Gewalt unter der Geburt sichtbar zu machen, legen betroffene Frauen vom 25.11.-10.12.2022 in ganz Deutschland Lilien vor den Jugendämtern, Gerichten und weiteren Institutionen wie beispielsweise Beratungsstellen ab. Sie haben in diesen Häusern institutionelle Gewalt erlebt, bekommen die Möglichkeit damit nun sichtbar zu werden - ohne selbst den Schutz der Anonymität aufzugeben.  Denn das ist es, wovon die institutionelle Gewalt - ähnlich wie die klassische häusliche Gewalt - lebt: - von Verfahren hinter verschlossenen Türen, wovon Auß...